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Agfa, Kullmann, Singer & Cie und die frühe Filmmanufaktur

 

In einem Brief vom 6. Januar 1913 übermittelte J.E. Brulatour Herrn George Eastman vom AGFA-Vertreter in New York, Stevani, die Tatsache, dass

 

Pathé Fréres have decided to discontinue entirely the editing auf Films for their own account. They are going to manufacture raw stock on a large scale, and expect to sell it at a low price.[1]

 

Besorgt über einen möglichen Preiskrieg reiste George Eastman daraufhin im Sommer 1913 nach Europa. Am 25. Juni speiste er mit Dr. Franz Oppenheim, dem Geheimrat von AGFA, in Berlin, und traf sich im Juli mehrmals mit ihm und Paul Singer in Paris, um die Bedürfnisse des europäischen Filmmarktes zu diskutieren. Bis zum Ende des Jahres hatten sie eine Vereinbarung erarbeitet, die auf den Verkaufzahlen der drei vorangegangenen Halbjahresperioden basierte.[2]

 

Sie teilten sich den europäischen Markt proportional (60% für Eastman, 40% für AGFA)[3], legten Fixpreise fest[4] und einigten sich über Vorzugspreise für "besondere" Kunden.

 

Die letztendliche Einigung wurde von geringfügigen Änderungen aufgehalten.

 

Our French Counsel objected to the use of the word 'minimum' in Clause 5, first line, and the word 'maximum' in the first line of the third paragraph of Clause 5, on the ground that this indicated an agreement to raise prices.[5]

 

Am 6.August 1913 gab Paul Singer bekannt, dass er am nächsten Tag die endgültige Fassung des Vertrages erwarte. Er fügte hinzu, dass er gerade

 

...heute eine längere Unterhaltung mit den Direktoren der Sté "ECLAIR", welche mir, u.a. einen auf 4,000,000 m. ausgestellten jährliche Vertrag E.'s, welchen derselbe der ECLAIR zur Unterschrift vorgelegt hat, vorzeigten. Eine Klausel lautet in dem Contract, dass die ECLAIR sich verpflichten soll, nur an den Seiten mit der Firma markierten Film zu acceptieren.

 

Die ECLAIR hatte bereits vor ca. 14 Tagen mir gegenueber den Wunsch ausgesprochen, moeglichst nichts mehr mit E. in Zukunft überhaupt machen zu wollen, und sich nach und nach ganz auf unseren Film zu beschränken. Leider kommt nun gerade der unangenehme Vorfall mit dem ungleichmässigen Trocknen dazwischen, sodass die ECLAIR sich derart mit E. arrangieren muss, dass sie sich zu einem moeglichst kleinen jaehrlichen Quantum verpflichtet, da sie selbstverstaendlich den neuen Eastman-Preis haben muss.

- Ich hoffe, dass es mir gelingen wird, das ECLAIR einen Jahresvertrag auf 1 1/2 Million Meter durchbekommt und dass sie sich nicht dazu verpflichten braucht, an den Seiten markierten Film zu acceptieren.

Jedenfalls hoffte man bestimmt nach drei Wochen Wieder mit der Verarbeitung unseres Films beginnen zu koennen, und da weiter eine bedeutende Vergroesserung der Produktion in Aussicht genommen ist, so koennen wir auch bei diesem Kunden mit sehr grossen Quanten rechnen...

 

Inzwischen ist die Gesellschaft, welche gerade dieser Tage ihre neuen hiesigen Bureauraueme bezogen hat, pekuniair etwas schwach auf den Fuessen, zumal momentan gerade die grossen Epocche-machenden Films angefertigt werden, solche indess erst im Winter auf den Markt gebracht werden koennen. Weiter ist es der ECLAIR nicht moeglich, heute schon auf die neue Kapitals-Vergroesserung hin irgendwelche Summen beheben zu koennen. Herr Jourjon frug mich nun heute, ob wir event. ihm sowohl auf die Garantie der ECLAIR hin, als auch auf seine eigene Garantie hin, bis Mitte oder Ende November zurückzahlbar, einen Bar-Credit von Fcs. 100.000,- gegen 6% Zinsen einraeumen könnten...bis Mitte oder Ende November? [6]

 


[1]Geschäftsbrief von J.E. Brulatour an G. Eastman vom 6. Jan. 1913, GEH.

[2]AW 1092/ Memorandum of Agreement between the Aktien Gesellschaft für Anilinfabrikanten (sic) of Treptow, Berlin and the Eastman Kodak Company of Rochester, New York. "Whereas Eastman represents that it actually sold in Europe 72 million feet of cine film during the first six months of 1912, and 68 million feet in the first six months of 1913, which would have been counted under the terms of this agreement had it been in force, and whereas Agfa represents that it sold in the first six months of 1912 28 million feet, and in the first six months of 1913 36 million feet, all of which would have been granted under the terms of this agreement had it been in force,.."

[3]Ebenda, "If either party hereto sells more than its proportion, it is to pay to the other party an indemnity..."

[4]In Frankreich & Italien sollte AGFA Positivfilm für 38 centimes und Eastman für 42 centimes verkauft werden; in Deutschland AGFA für 30,70 Pfennige/Meter und Eastman für 33,93 Pfennige/Meter; in Großbritannien wurde der Preis bei 1,109 pence/foot und Eastman bei 1,217 pence/foot festgelegt.

[5]AW1091/23_JUL13, Memorandum of the Agreement between the Aktien Gesellschaft für Anilinfabrikanten (Sic) of Treptow, Berlin, and the Eastman Kodak Company -   MISSING!

[6]AW1091/06_AUG13, Brief von Singer an AGFA.