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Agfa, Kullmann, Singer & Co und die frühe Filmmanufaktur

Dr. Oppenheim reiste im Oktober nach Paris. Am 18. besuchte er zusammen mit Paul Singer Herrn Léon Gaumont im Maison Léon Gaumont & Cie. Dr. Oppenheim gab M. Gaumont drei Rollen Kinefilm zu Testzwecken. Mr. Gaumont fragte Dr. Oppenheim, ob AGFA Negativ-Film auf Rollen von mehr als 60 Metern Länge herstellen könne?

 

Am nächsten Tag schrieb Oppenheim der Photographischen Abteilung und die Antwort kam per Telegramm:

 

Lieferung von 120 Meter langen Bändern nur möglich, wenn Trocken-einrichtung geändert wird. Aenderungskosten nicht über 800 Mark. Herstellungskosten des Films erhöhen sich nicht.[1]

 

Die Tests der Firma Gaumont waren jedoch nicht völlig zufriedenstellend. Die Dicke des Films war ungleichmäßig und hätte zwischen 13 und 14 Hundertstel eines Millimeters sein sollen. Oppenheim telegrafierte daraufhin: "...stoppet sofort fabrikation."[2]

 

Nachdem Oppenheim Paris verlassen hatte, traf sich Herr Singer mit Monsieur Rogers, Directeur de la Société Générale des Cinématographes "Eclypse".  Singer erklärte hoffnungsvoll, dass  "M. Rogers ne se préoccupe pas de l'épaisseur des films ainsi que le fait M. Gaumont, mais par contre il désire que les film aient la souplesse de films Eastman..."[3]

 

Am 4.Januar 1908 schickte Gaumont 3.025 Meter "Pellicules pour Cinématographes" in verschiedenen Längen. Und bis zum Ende des Monats hatte Herr Singer Test-Rollen an Sté Eclypse, Sté Lux, Raleigh & Robert und Sussfeld, Lorsch & Co geschickt. "Die 3 zuerst genannten Gesellschaften sind, ausser Gaumont, die für uns in Frage kommende u. hoffe ich Ihnen diese Tage bereits näherzukommen zu können."[4]

 

Der erste große Erfolg wurde von Herrn Singers Partner in einem Telegramm an AGFA am Donnerstag, den 13.Februar 1908, verkündet:

 

      = gaumont wuenscht fortlaufende lieferungen = Kullmann .[5]

 

Im Berichtsjahr 1908 haben wir auch tatsächlich das ganze Jahr hindurch nach Paris Kinefilm geliefert. Wir haben 97.328 laufende Meter verkauft und abgeliefert. Hierbei haben wir wichtige Erfahrungen über die Anforderungen gesammelt, die die Pariser Firmen an die Qualität der Kinefilm stellen. Es ist uns gelungen, die Anforderungen zu befriedigen, sodass wir grosse Quantitäten hätten absetzen können, wenn wir imstande gewesen wären, sie herzustellen. Von verschiedenen Seiten wurden wir aufgefordert, eine Fabrik zu errichten, um den ganzen Bedarf der einzelnen Firmen zu decken. Nur dann hätten sich diese Firmen von Eastman, der ein Monopol für Kinefilm hat, losmachen können.[6]

 


[1]AW1084/23_OCT07. Telegramm von AGFA Photographische Abteilung an Oppenheim.

[2]AW1084/25_OCT07. Telegramm von Oppenheim an AGFA Photographische Abteilung.

[3]AW1084/11_NOV07. Brief von P. Singer an die AGFA Photographische Abteilung.

[4]AW1084/29_JAN08. Brief von P. Singer an die AGFA Photographische Abteilung.

[5]AW1084/13_FEB08. Telegramm an Dr. Oppenheim.

[6]AGFA-Jahresbericht 1908.