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Agfa, Kullmann, Singer & Co und die frühe Filmmanufaktur

Die AGFA-Akten der Jahre 1909 und 1910 sind unvollständig, aber zwei Tatsachen stehen fest: Erstens, der Anklang, den der AGFA Nitrat-Celluloid-Positiv-Kinefilm während des Jahres 1908 in Paris fand, ermutigte die Direktoren von AGFA, die Film-Manufaktur der Firma auszudehnen; und zweitens, dass die Firma beschloß, ihre Experimente in der Herstellung von nicht-brennbarem Acetylcellulose-Kinefilm zu intensivieren, in der Hoffnung, damit erfolgreich gegen Eastman konkurrieren zu können.

 

1904 hatte AGFA mit Bayer und BASF eine Interessensgemeinschaft gebildet.

 

Seit Ende 1906 arbeiten wir ununterbrochen an der Herstellung einer für Kinefilm geeigneten Acetylcellulose....(Bayer) besitzt ein Patent, welches das Verfahren der Herstellung, nach dem wir arbeiten, deckt. ..(und) erteilte uns bereitwillig Licenz auf sein Verfahren gegen eine Abgabe von 0,20 M. für das Kilo Acetycellulose.

Mit (BASF), welches ein Patent besitzt zur Herstellung einer Filmunterlage aus celluloidartigen Massen aus Acetycellulose mit Kampferzusatz, verständigten wir uns.[1]

 

Im April 1909 begannen die Arbeiten an einer neuen Filmfabrik in Greppin, bei Bitterfeld. Das Ziel war, jährlich 20 Millionen Meter Film zu produzieren.

 

Am 24. November 1909 schickte Herr Kullmann eine Liste von potentiellen Kunden, mit der jeweilig zu sendenden Menge an nicht-brennbarem Test-Film, an die Photographische Abteilung in Berlin:

 

 

 

            

Pathé frères, Paris

ca. 400 Meter

Eclypse-Radios, Paris

 "   1000 - 1500 Meter

Eclair, Paris

 "  400 Meter

Lux, Paris

 "  500-1000 Meter

Raleigh & Robert, Paris

Anweisungen folgen

Le Lion, Paris

 "  200 Meter

Gaumont, Paris

 "  400   "

Ambrosio, Turin

 "  300   "

Italafilm, Turin

 "  300   "

Comerio, Milan

 "  200   "

Ottalinghi, Turin

 "  200   "     [2]

 

Zur gleichen Zeit versuchte auch die Eastman-Kodak-Gruppe erfolglos, nicht-brennbaren Film auf den französischen Markt zu bringen. Pathé Frères schrieb Kodak am 31. Dezember 1909 aus Paris:

 

We regret to inform you of the inability of our company to make use of the non-inflammable film which you sent us... About 15 days ago we used for the first time the non-inflammable positive film bearing the name "Eastman" on each edge. We do not know in what manner you inserted this name in the film which you sent us but we beg to state that wherever the letters of your name encounter our perforation, there is a complete break in the perforation, rendering the film absolutely useless.[3]

 

In einem Brief an Thos.Baker, Direktor der australischen Kodak ltd., behauptete Eastman jedoch, dass: "we have interviewed all our French and Italian customers and find them ready now to take up the use of non-inflammable film. After a careful survey of the field we are satisfied that we have no competitor at present."[4]

Anfang des Jahres 1910 war Eastman weit durch Europa gereist. Ein wichtiger Zwischenstop waren die Lumiére Werke in Lyon. Eastman hatte eine Weile mit dem Gedanken gespielt, die Werke aufzukaufen, aber

 

everywhere in the Lumière plant there was the clearest possible evidence of out-of-date and inadequate methods of working...The Lumière business is more-over...an intensely personal one, so to speak; and this I consider a great disadvantage. Not only would it be impossible for any second party to acquire the full value of the Lumière good-will, but the Lumières themselves would, in spite of their best intentions, stand in the way of reform, and, I believe, prove a hindrance rather than a help.[5]

 

Und obwohl der Besuch keinen Erfolg brachte, "...we have good reason to value the insight which we have thereby obtained into the processes and resources of this chief European competitor of our company."[6]

 


[1]Ebenda.

[2]AW1084/24_NOV08. Brief von P. Singer an die AGFA Photographische Abteilung.

[3]Brief von Pathé frères an Eastmann Kodak vom 31.Dec. 1909, GEH (George Eastman House).

[4]Brief von George Eastman an Thos. Baker vom 7.Mrz. 1910, GEH.

[5]Bericht von J. Thatcher-Clarke für G. Eastman vom 1.Mrz. 1910, GEH.

[6]Ebenda.