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Agfa, Kullmann, Singer & Cie und die frühe Filmmanufaktur

Herr Singer nutzte die Krise, um einen langfristigen Plan zur Bewältigung solcher Notfälle vorzuschlagen. Er bestand darin, zwei junge Chemiker, L. Clément and C. Rivière, die eigentlich für die AGFA Fabrik in St.Föns angestellt worden waren, nicht dort

 

...sondern hier zu mir zu postieren...Je eher Clément herkommen könnte, desto besser wäre es, denn z.B. jetzt hat er mir seine ganze Zeit gewidmet - ich sehe, dass durch seine grosse Bekanntschaft in der Kreisen der Cinematographen u. Industrie des Celluloids, deren Administrationen alle in oder bei Paris sich befinden, er uns grosses Nutzen bringt, abgesehen davon dass ich ihn stets hier - wie jetzt - zur Hand hätte.[1]

 

Herr Singer schlug vor, für Clemént and Rivière ein Experimental-Labor einzurichten:

 

Zum Studium der Anwendung des Acetats für alle anderen Zwecke ... gleichzeitig auch das best-eingerichtete Laboratorium für Optik u. Photographie ihnen zur Verfügung stände.

Ich meine zur Einführung spec. des neuen inflam. film könnte Clement uns hier, im Centrum des Marktes, wo alle Interessenten herkommen, enorm nützen u. da ich ihn stets zur Seite hätte würden Sie ganz ruhig sein können dass Alles ordnungsgemäss u. ohne grosse Kosten für Sie geschehen würde.

So z.B. sagt mir grade Herr Jounjon dass er leider Herrn Maurice ( der techn. Direktor von Eclair) mit nach New York auf mehrere Wochen nehmen muss u. befürchte ich während dessen Abwesenheit Unannehmlichkeiten bei Verwendung unserer Emulsion. Habe ich Clement hier so bin ich jederzeit in der Lage ihn nach Epinay schicken zu können.[2]

 

Herr Singer war ein sehr überzeugender Geschäftsmann. Seine Vorschläge wurden schnell angenommen und bis zum November war der Platz für das Labor gefunden und wurde mit der Arbeit an den Installationen begonnen.

 

Trotz der Qualität des nicht-brennbaren Films verkaufte es sich nicht so gut, wie es Paul Singer und AGFA erwartet hatten. Aufgrund der höheren Produktionskosten lag der Preis für nicht-brennbaren Film pro Meter zwischen 3 und 5 Pfennigen über dem für normalen Nitratfilm. "Abgesehen von den höheren Preise liegt als praktische Schwierigkeit der Umstand vor dass das Kleben vorsichtiger und mit einem Spezial-Klebemittel ausgeführt werden muss!"[3]

 

Es war nicht möglich, Nitrat- und Acetatfilm zusammenzuschneiden, ein Muß für die meisten Vorführer.

 


[1]Ebenda.

[2]Ebenda.

[3]AW1084/22_DEC11. Brief von P. Singer an Dr. Oppenheim.