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Agfa, Kullmann, Singer & Co und die frühe Filmmanufaktur

Ende Mai 1911 fasste George Eastman die Situation am Film-Markt zusammen:

 

There is no question but what the Agfa Co. is potentially the greatest competitor that we have. They are no doubt bound to get entrance into the film business some time or other. The only question is how long it will take them to get experience which will enable them to compete. I have been surprised that we have been able to hold them off as long as we have. Up to the present time they have not made any progress that is apparent. Our sales in Europe of Cine film show that they are doing very little, if anything.[1]

 

Die Hartnäckigkeit und der gewitzte Geschäftssinn von Paul Singer hatte Anfang 1911 begonnen, Früchte zu tragen. Er schloss mit vielen wichtigen Film-Produktionen in Frankreich, England und Italien Verträge über den Verkauf von Kine-Rohfilm. Möglicherweise einer der wichtigsten dieser Verträge bestand zwischen AGFA und Eclair . Eclair  brauchte Geld, um eine Fabrik zur coloriage mecànique des films[2]  aufzubauen. Ein Teil der Absprache umfasste eine Anleihe von 200.000 Frs, die AGFA Eclair gewährte. Im Gegenzug erhielt AGFA 2.000 Anteile an Eclair und garantierte 6% jährl. Zinsen auf die Anleihe.  Eclair sagte zu, das Filmmaterial für den Färbungsprozeß sowie einen Teil des 'normalen' Filmmaterials für die Herstellung von Filmkopien von AGFA zu erstehen. Außerdem einigte man sich darauf, von Singer ein Lagerhaus auf dem Eclair-Gelände in Epinay sur Seine aufzubauen, in dem AGFA ca. 100.000 Meter Rohfilm lagern konnte. Dieser Vertrag wurde am 10.August 1911 unterschrieben.

 

Zur selben Zeit war in der Fabrik in Greppin Panik ausgebrochen. Fast täglich trafen Beschwerden ein, die besagten, dass ein gelber Schleier die Filmkopien ruiniere. Niemand konnte die Ursache feststellen. Herr Singer in Paris behielt einen klaren Kopf. In einem Brief vom 12.August bemerkte er, dass:

 

...infolge der grossen Unannehmlichkeiten, hervorgerufen durch den Gelbschleier der sich bei unserer Positiv-Emulsion bei der warmen Witterung zeigt, und da ich einsehe dass es den Herren in Greppin kaum möglich sein wird bis Anfang der Saison, d.h. nächsten Monat, Abhilfe zu schaffen, bat ich Herrn Clément hierselbst jemanden ausfindig zu machen der den Greppiner Herren schnell auf die Spur helfen kann.

Wir haben nun mit einem Chemiker...verhandelt der sich anheischig macht sofort dem Fehler abzuhelfen. Herr du Boistessilin war früher bei Pathé, u. später mit dem bekannten Emulsion-Specialisten Mercier bei Jugla. Jetzt ist er ingenieur conseil bei div. chemischen Fabriken... wie aus Ihrem Schreiben vom 9.d.Mts hervorgeht, (wollen Sie) die jetzige Produktion einschränken! Bedenken Sie doch wir stehen vor der Saison! Lassen Sie also bitte in der üblichen Weise weiterarbeiten u. nur inzwischen Alles vornehmen was den Fehler des Gelbschleiers abzuhelfen im Stande ist. [3]

 

M. du Boistessilin konnte das Problem nicht lösen. Er wurde im November von einem anderen Spezialisten, einem M. Seghers, abgelöst, dem es scheinbar gelang, den gelben Schleier zu beseitigen.

 


[1]Brief von G. Eastman an Herrn M.B. Philipp, undatiert aber irgendwann zwischen dem 22. und 25. Mai 1911 geschrieben, GEH.

[2]AGFA\ECLAIR\AW1084\01_JUL11: Note pour M. Singer: La Société "Eclair" ne voulaut pas reàliser pour le moment une augmentation de son capital (actuell "1.250.000"), je suis neanmoius prêt à lui faciliter l installation d'un service de Coloriage mecànique des films à l'aide des brevets Méry, en prenaut la somme necèssaire (+200 000) à ma charge persounelle.

   En échange d'me prêt de la dite somme, qui me serait consenté par l' A.G.f.A., je suis prêt (en outre de ma garantie personelle), à remettre entre ? mains, soit de cette société, soit d'me notairé de Paris, une somme égale en actions de "Cinema Eclair" à titre de garantie subsidiàire.

   Ce prêt me serait consenté pour une durée maxima de cinq années, avec faculté de remboursement anticipé, à toute epoque en tout ou en partie seulement- Il produirail intérêt au taux de 6% l'an

   L'adjonction du Service de coloriage dans lequel l'Eclair n'emploiera que du film Agfa lui permettra vraisemblablement de réaliser un chuffre d'affaire d'environ trois millions de mêtres par an, en y comprenaint éventuellement la fourniture d'une partie des films nécessaires à son tirage en noir et blanc.

   Il va nous dire que l'Eclair signerait également le contrat que nous presenté M.Singer el qui est rèdigé dans des termes analoques à celui qu à deja signè la maison Ambrosio.-1-7-11 (signé) Jourjon

[3]AW1084/12_AUG11. Brief von P. Singer an Dr. Oppenheim.