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wahrscheinlich 1913 / Fotoplatte 9 x 12 / Nachlass Seeber SDK

Der Kopierraum des neuen Labors in Babelsberg

Der für die Kopierung von orthochromatischem und unsensibilisiertem Filmmaterial bestimmte Kopierraum der zweiten Kopieranstalt von 1913 wurde wohl von Rotlichtlampen in ein für die Arbeit an den Maschinen abgestimmtes rotes Dämmerlicht getaucht. Die Holzkassetten der vier Greifer – Kopiermaschinen ( die vordere trägt die Nummer 9 ), die hier in einer Reihe nebeneinander auf einem hölzernen Gestell aufgebaut sind, fassen wohl etwa 60 Meter Originalnegativ bzw. Rohfilm. Meist wurden Längen von ca. 30 bis 40 Metern kopiert, das entspricht der Kapazität eines Entwicklungs- Rahmens. Durch ein Loch in der Kassettentür in der Form eines Viertelkreises konnte der Kopierer sehen bzw. mit einem Finger „erfühlen“ ob die Länge des Rohfilm- Röllchens reichte.

 

Angetrieben wurde jede Maschine einzeln durch einen Elektromotor. Es gab keine Aufwickelvorrichtung. Negativ und Rohmaterial liefen Schicht auf Schicht durch das Bildfenster in einen Holzkasten, aus dem sie mit einem Handroller wieder aufgewickelt werden mussten.. Der hintere – kleine Kasten war für das Negativ bestimmt, der vordere für das Positivmaterial. Der vordere Kasten ist deshalb so groß, weil der Kopierer für die Verleihkopien ein einziges Negativröllchen viele Male durch die Maschine jagen musste. Dabei rollte er nur das Negativ immer wieder neu auf. Das kopierte Rohmaterial aus dem vorderen Kasten dagegen rollte er nur auf, wenn der Kasten voll war. Auf diese Weise wurden oft über hundert Verleihkopien von einem Originalnegativ hergestellt.

 

Die Originalnegative müssen danach entsetzlich ausgesehen haben. Bei den heute üblichen Perforation und Schicht schonende Kopierverfahren benutzt man ein Originalnegativ etwa 50 Mal, dann wird es durch ein Duplikat- Negativ ersetzt . Dup- Negative gab es damals noch nicht. Um die Laufschrammen beim Kopieren zu unterdrücken, bevorzugte man leicht überbelichtete und satt entwickelte Kameranegative. Die erzeugten auf dem glasklaren Nitrofilm gut durchgezeichnete, kontrastreich „leuchtende“ Positivkopien, deren einzigartige Anmutung von modernen Farbkopien nicht wiedergegeben werden kann.